Neophyten in Bremen - Erfassung, Bewertung, Risikoabschätzung

Ornithogalum umbellatum Biologische Invasionen durch Neobiota gelten weltweit als eine der wesentlichen Gefährdungsursachen der biologischen Vielfalt, und können weitreichende ökologische Konsequenzen haben (Kowarik 2003). Mit der 1992 in Rio de Janeiro verabschiedeten Biodiversitätskonvention (CBD) ist auch die Bundesrepublik Deutschland die Verpflichtung eingegangen, die Einbringung gebietsfremder Arten, welche Ökosysteme, Lebensräume oder Arten gefährden, zu verhindern; solche Arten zu kontrollieren oder zu beseitigen, wenn dies angebracht und möglich ist. Die Biodiversitätskonvention fordert auch das Monitoring gebietsfremder Arten ein.

Die nachhaltige Sicherung der natürlichen Biodiversität ist auch in Bremen eine der wesentlichen Aufgaben des Naturschutzes und ist im Bremischen Naturschutzgesetz verankert sind (§39). Eine erhebliche Bedrohung der Biodiversität kann durch problematische Neophyten verursacht werden. Auch im Bremischen Naturschutzgesetz wird explizit auf die Unterbindung der Ausbringung gebietsfremder Arten hingewiesen, wenn die Gefahr einer Verfälschung der Flora besteht (§30).

Parthenocissus quinquefoliaDer globale Wandel führte dazu, dass Neophyten einen immer größer werdenden Anteil an der Flora ausmachen. Im Weser-Elbe-Gebiet kommen etwa 230 Neophyten vor, was mehr als 20 % der Gesamtflora ausmacht (Metzing 2006). Im Vergleich zur Gesamtflora repräsentieren Neophyten die größte Artengruppe, die sich in unserer Region ausbreitet, dabei sind etwa 68 % der vorkommenden Neophyten in Ausbreitung begriffen (Hellberg 2006). Viele Neophyten gliedern sich in die Vegetation ein, ohne ersichtliche ökologische Veränderungen oder ökonomische Schäden hervorzurufen.

Einige Arten verursachen jedoch Veränderungen in den natürlichen Ökosystemen, oft erst nach vielen Jahren ihrer Etablierung. Etwa 10 % der etablierten Neophyten haben unerwünschte Auswirkungen, d. h. sie gelten als Problemarten und wirken sich negativ auf die einheimische Vegetation aus, indem beispielsweise indigene Arten verdrängt oder Habitate in ihren Eigenschaften verändert oder gar transformiert werden.

Das Projekt leistet einen wesentlichen Beitrag zur Bestandserfassung, Bewertung und Risikoabschätzung von Neophyten und somit zum Schutz der biologischen Artenvielfalt als auch zum Schutz funktioneller Aspekte der Biodiversität.Pampasgras

In ausgewählten Flächen der Stadt Bremen erfolgt im Rahmen des Projektes die Erfassung von allen und speziell von problematischen Neophyten. Als problematisch gelten:

 

  • Dominanzbestände bildende Arten
  • potentiell problematische Arten, die im atlantischen Bereich anderer europäischer Länder bereits Dominanzbestände bilden
  • gesundheitsgefährdende Arten wie Ambrosia artemisiifolia und Heracleum mantegazzianum.

(Für Hinweise zum Vorkommen dieser beiden Arten wären wir Ihnen dankbar!)

Das Projekt erfasst und beschreibt qualitativ und quantitativ, welche Neophyten in Bremen vorkommen und wie stark die verschiedenen Biotoptypen (SUBV 2005) und innerstädtischen Strukturtypen betroffen sind. Es liefert damit eine Entscheidungsgrundlage für möglicherweise notwendig werdende Kontroll- bzw. Beseitigungsmaßnahmen. Das Projekt stellt den Ausgangspunkt für zukünftige Beobachtungen und damit des geforderten Monitorings gebietsfremder Arten dar, und soll zudem erste Hinweise auf Veränderungen geben.

Literatur

  • Hellberg, F. (2006) Ökologische Auswertung der Florendynamik. In: Cordes, H., Feder, J., Hellberg, F., Metzing. D., Wittig, B. (Hrsg.) (2006): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen im Elbe-Weser-Gebiet. Hauschild, Bremen. S. 429-438.
  • Kowarik, I. (2003) Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Ulmer, Stuttgart.
  • Metzing, D. (2006) Die Flora des Weser-Elbe-Gebietes im Überblick. In: Cordes, H., Feder, J., Hellberg, F., Metzing, D., Wittig, B. (Hrsg.) (2006): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen im Elbe-Weser-Gebiet. Verlag Hauschild, Bremen. S.421-428.
  • SUBV (2005) Kartierschlüssel für Biotoptypen in Bremen. Der Senator für Bau, Umwelt und Verkehr (Hrsg.) (pdf, 860Kb)

Projektleitung:

PD Dr. habil. Maike Isermann

Projektmitarbeiter:

Dr. Frank HellbergDr. Josef Müller und Dr. Burghard Wittig.

Projektdauer:

1.5.2009 - 30.4.2010

Projektträger:

Naturwissenschaftlicher Verein zu Bremen.

Kooperationspartner:

Universität Bremen, Vegetationsökologie und Naturschutzbiologie, Prof. Dr. M. Diekmann,
Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa (SUBVE), Andreas Nagler,
Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bonn.

Finanzierung:

Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa (SUBVE).

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